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DPMAnutzerforum 2025: Rahmenbedingungen für Aufholjagd bei neuen Technologien schaffen

Das Deutsche Patent- und Markenamt legt auf seinem Nutzerforum Analyse zu Patentanmeldungen in Digitaltechnologien vor – Deutschland ist über Jahre zurückgefallen, holt zuletzt aber auf – DPMA-Präsidentin: Großes Potenzial besser in geschützte Innovationen umsetzen – Keynote der Bundesagentur für Sprunginnovationen

Pressemitteilung vom 24. März 2025

München. Nachdem Deutschland bei Innovationen zu Digitaltechnologien jahrelang zurückgefallen war, haben inländische Unternehmen 2024 im Vergleich zum Vorjahr bei der Zahl veröffentlichter Patentanmeldungen auf ihrem Heimatmarkt aufgeholt. Im vergangenen Jahr legten die deutschen Anmeldungen in einschlägigen Technologiefeldern gegenüber 2023 deutlich zu (+ 6,6%). Mit insgesamt 4.494 veröffentlichten Anmeldungen lag Deutschland im Ranking auf Rang 5. Die Zahlen aus den Top-3-Ländern waren dagegen deutlich rückläufig oder stiegen nur leicht. Auf Rang 1 lagen weiter die Vereinigten Staaten mit 14.973 veröffentlichten Patentanmeldungen (- 5,3%), dahinter folgten China (8.900, - 11,4%) und Japan (5.405, + 0,6%). Nur in der Republik Korea war die Innovationsdynamik mit einem Plus von 12,8 Prozent noch deutlich größer als in Deutschland. Das Land lag mit 5.188 Anmeldungen auf Rang 4.
(Siehe auch unser pdf-Datei Fact sheet Analyse Digitaltechnologien).

Entwicklung Digitaltechnologien

Entwicklung Digitaltechnologien

In der längerfristigen Betrachtung zeigt sich allerdings, dass der Anteil Deutschlands am Anmeldeaufkommen in den untersuchten Bereichen zurückgegangen ist: 2020 kamen noch 9,8 Prozent aller veröffentlichten Patentanmeldungen zu Digitaltechnologien von deutschen Anmeldern; im vergangenen Jahr waren es nur noch 9,2 Prozent. Vor fünf Jahren hatte Deutschland noch vor der Republik Korea auf Rang 4 gelegen. Im zentralen Technologiefeld Digitale Kommunikationstechnik ist Deutschland zudem weiter abgerutscht. Es zeigt sich auch, dass unter den Top-Anmeldern für Digitaltechnologien kaum deutsche und europäische Unternehmen sind. Die Rankings werden vor allem von amerikanischen und asiatischen Konzernen dominiert. Auffällig ist allerdings auch, dass der Anmelde-Boom aus China deutlich gebremst scheint.

Länder-Ranking Digitaltechnologien

Länder-Ranking Digitaltechnologien

„Deutschland ist in den vergangenen Jahren bei digitalen Schlüsseltechnologien gegenüber den innovativsten Ländern deutlich zurückgefallen. Der positive Trend bei den Patentanmeldungen muss jetzt der Beginn einer Aufholjagd sein“, sagte DPMA-Präsidentin Eva Schewior. „Deutschland hat mit seinen starken Technologieunternehmen, hervorragenden Hochschulen und talentierten Menschen alle Voraussetzungen, um auch bei den Digitaltechnologien eine führende Rolle zu spielen. Dieses Potenzial müssen wir besser in geschützte Innovationen und dann in attraktive Produkte und Geschäftsmodelle umsetzen. Dafür gilt es jetzt, die optimalen Rahmenbedingungen zu schaffen. Denn es geht um unseren Wohlstand, aber auch um unsere digitale Souveränität: Je wettbewerbsfähiger wir bei den digitalen Schlüsseltechnologien sind, desto unabhängiger sind wir auch von internationalen Entwicklungen.“

Programm beim DPMAnutzerforum 2025

Die Analyse zu Digitaltechnologien stellt die DPMA-Präsidentin am 25. März beim DPMAnutzerforum 2025 vor. Zu seiner Jahreshauptveranstaltung erwartet das Deutsche Patent- und Markenamt am 25. und 26. März wieder Experten im gewerblichen Rechtsschutz aus der Industrie, von Anwaltskanzleien und Dienstleistern und aus der Wissenschaft. Die Keynote hält in diesem Jahr Dr. Antonia Schmalz von der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND). Themen bei hochkarätigen Expertendebatten und Podiumsdiskussionen sind unter anderem Künstliche Intelligenz, der Digital Services Act und Markenschutz in der virtuellen Welt. Zudem bieten Fachleute des DPMA Workshops und Informationsvorträge zu den Schutzrechten und deren Durchsetzung und zur Recherche in den Datenbanken des DPMA.

Die Analyse zu den Digitaltechnologien im Detail

Für die Analyse zur Digitalisierung haben wir veröffentlichte Patentanmeldungen mit Wirkung für Deutschland beim DPMA und beim Europäischen Patentamt ohne Doppelzählungen betrachtet. Patentanmeldungen werden nach 18 Monaten veröffentlicht. Im Jahr 2024 neu angemeldete Erfindungen sind daher noch nicht enthalten. Untersucht haben wir die Technologiefelder Computertechnik, Digitale Kommunikationstechnik, Halbleiter, Audiovisuelle Technik und Datenverarbeitung für betriebswirtschaftliche Zwecke.
Nach zuletzt deutlichen Zuwächsen war die Zahl veröffentlichter Anmeldungen in den Digitaltechnologien 2024 mit insgesamt 49.073 etwas geringer als im Vorjahr (- 2,5%).

Computertechnik

Die meisten Anmeldungen gingen in der Computertechnik ein (17.387, -1,6%). Dazu zählen unter anderem Erfindungen zur Bilddatenverarbeitung, Spracherkennung oder Informations- und Kommunikationstechnik. Viele dieser Entwicklungen setzen Künstliche Intelligenz oder maschinelles Lernen ein. Im Länder-Ranking lagen die Vereinigten Staaten 2024 mit 6.450 Veröffentlichungen (+0,5%) und großem Abstand vor China (2.247, -14,5%) und Deutschland (2.076, +6,6%). Der Anteil Deutschlands an den Gesamtanmeldungen ist in dem Bereich in der langfristigen Betrachtung leicht gestiegen. 2020 lag dieser bei 11,1 Prozent, im vergangenen Jahr bei 11,9 Prozent.
Die Top-Anmelder sind hier die südkoreanische Samsung Electronics Co., Ltd. mit 952 Patentanmeldungen vor dem chinesischen Unternehmen Huawei Technologies Co., Ltd. (797) und Microsoft Technology Licensing LLC (636) aus den Vereinigten Staaten.

Digitale Kommunikationstechnik

Knapp dahinter liegt die Digitale Kommunikationstechnik mit 17.192 Veröffentlichungen
(-6,6%). Viele Anmeldungen in der Digitalen Kommunikationstechnik stehen in Zusammenhang mit dem aktuellen Mobilfunkstandard 5G und mit künftigen Mobilfunkstandards und sind damit wichtig für die digitale Vernetzung in etlichen Schlüsseltechnologien. Auch hier lagen die Vereinigten Staaten mit 5.174 Anmeldungen
(-11,4%) vor China (4.608, -11,7%); auf Platz 3 folgt die Republik Korea mit 1.704 Anmeldungen (+2,3%). Deutschland liegt mit 665 Anmeldungen (-5,1%) nur auf Rang 7. Der ohnehin geringe Anteil Deutschlands an den Gesamtanmeldungen ging von 2020 auf 2024 noch einmal von 5,4 Prozent auf 3,9 Prozent zurück.
Bei den Unternehmen liegt in diesem Bereich die US-amerikanische Qualcomm Inc. Auf Rang 1. Es folgt abermals Huawei Technologies Co., Ltd. vor einem der wenigen europäischen Unternehmen Telefonaktiebolaget LM Ericsson (publ) aus Schweden.

Halbleiter

Die drittmeisten Anmeldungen wurden im Bereich Halbleiter veröffentlicht (6.228, +3,5%). Halbleiterbauelemente machen die Verarbeitung und Speicherung von Daten und damit die fortschreitende Digitalisierung überhaupt erst möglich. Hier liegt Japan mit 1.244 Anmeldung (+4,3%) auf Rang 1, dahinter folgen die Vereinigten Staaten (1.202, -6,2%) und die Republik Korea (1.142, +29,0%)) und China (787, -7,8%); Deutschland lag mit 703 Anmeldungen (+17,4%) auf Platz 5. Im Fünfjahresvergleich ging der Anteil deutscher Unternehmen an den Gesamtanmeldungen von 14,8 auf 11,3 Prozent deutlich zurück.
Das Anmelder-Ranking dominieren auf den ersten drei Plätzen mit Samsung Electronics Co., Ltd. (406 Anmeldungen) vor Samsung Display Co., Ltd. (285) und LG Display Co., Ltd. (218) südkoreanische Unternehmen, danach kommt Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. Ltd. (199) aus Taiwan.

Audiovisuelle Technik

Viertstärkster Bereich ist die Audiovisuelle Technik (5.752, +1,3%), zu der Erfindungen aus den Gebieten der virtuellen Realität (Virtual Reality) und der erweiterten Realität (Augmented Reality) gehören. Gerade in diesen Gebieten liegen große Zukunftschancen für die Industrie: Produkte, Maschinen bis hin zu Industrieanlagen lassen sich als digitale Zwillinge modellieren und können so virtuell visualisiert werden. Hinter den Vereinigten Staaten mit 1.246 Anmeldungen (-6,5%) liegen hier China (1.109, -6,1%), Japan (853, +3,0%) und die Republik Korea (846, +24,8%). Deutschland liegt mit 642 veröffentlichten Anmeldungen (-0,3%) auf Platz 5.
Auch in diesem Bereich fiel der Anteil deutscher Anmeldungen von 2020 (12,1%) auf 2024 (11,2%) leicht.
Bei den Anmeldern liegt einmal mehr Samsung Electronics Co., Ltd. auf Rang 1 (325). Es folgen Huawei Technologies Co., Ltd. und LG Electronics Inc..

Datenverarbeitungsverfahren für betriebswirtschaftliche Zwecke

Die wenigsten Anmeldungen wurden mit 2.514 (-1,6%) im Technologiefeld Datenverarbeitungsverfahren für betriebswirtschaftliche Zwecke veröffentlicht. Hier sind zum Beispiel Verfahren für Dienstleistungen wie Reservierungen und Veranstaltungsbuchungen, zur Steuerung von Arbeitsabläufen, zur Unternehmens- oder Organisationsplanung oder für die Material- oder Warenwirtschaft enthalten. Im Länder-Ranking liegen die Vereinigten Staaten mit 901 Anmeldungen (-4,5%) vor Deutschland mit 407 Anmeldungen (+26,4%). Knapp dahinter folgt Japan (403, -10,6%).
In der längerfristigen Betrachtung haben deutsche Anmelder in dem Technologiefeld an Boden gewonnen. Ihr Anteil an den Gesamtanmeldungen stieg von 14,2 Prozent in 2020 auf 16,2 Prozent in 2024.
Die Anmeldezahlen, die einzelne Unternehmen auf sich vereinen, sind hier eher gering. Zudem liegen diese dicht beieinander. Den ersten Rang teilen sich die deutschen Konzerne Bayerische Motoren Werke AG und Siemens AG mit jeweils 45 Anmeldungen vor Microsoft Technology Licensing LLC (42) auf Platz 2.

Das Deutsche Patent- und Markenamt

Erfindergeist und Kreativität brauchen wirksamen Schutz. Das DPMA ist das deutsche Kompetenzzentrum für alle Schutzrechte des geistigen Eigentums - für Patente, Gebrauchsmuster, Marken und Designs. Als größtes nationales Patentamt in Europa und fünftgrößtes nationales Patentamt der Welt steht es für die Zukunft des Erfinderlandes Deutschland in einer globalisierten Wirtschaft. Seine rund 2.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an drei Standorten - München, Jena und Berlin - sind Dienstleister für Erfinder und Unternehmen. Sie setzen Innovationsstrategien des Bundes um und entwickeln die nationalen, europäischen und internationalen Schutzsysteme weiter.

iStock.com/DmitriyTitov

Stand: 24.03.2025