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Margarete Steiff

Fotomontage Margarete Steiff und Auszug aus dem Warenzeichenblatt

Margarete Steiff mit Teddybär, sie ließ sich nur selten mit ihren Teddybären ablichten; rechts Auszug aus dem Warenzeichenverzeichnis von 1905

Spielzeugerfinderin und Kämpferin für ein selbstbestimmtes Leben

Der "Knopf im Ohr" ist eine der traditionsreichsten deutschen Marken. Ihre Begründerin Margarete Steiff musste noch mehr Hürden überwinden als andere Frauen ihrer Zeit (vor allem gesundheitliche), bis sie zur erfolgreichen Unternehmerin werden konnte.

Margarete Steiff, geboren am 24. Juli 1847 im württembergischen Giengen an der Brenz, erkrankt im Alter von eineinhalb Jahren an Kinderlähmung. Fortan sind ihre Beine gelähmt und sie kann die rechte Hand nur unter Schmerzen bewegen. Zeit ihres Lebens ist sie an den Rollstuhl gebunden, mehrere Kuren zur Heilung der Krankheit verlaufen erfolglos. Damit kommt für sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weder eine Heirat infrage, noch hat sie eine Perspektive auf ein selbstbestimmtes Leben.

Doch trotz ihres Handicaps erkämpft sich die junge Margarete ihren Platz im Leben. So setzt sie durch, die Schule besuchen zu dürfen. Margarete lernt leicht, dennoch kann sie keine höhere Schule besuchen, denn das ist nur Jungen vorbehalten.

So besucht sie, wie ihre beiden älteren Schwestern, die Nähschule. Das Nähen von Hand fiel ihr schwer, weil ihre rechte Hand aufgrund ihrer Behinderung nur eingeschränkt belastbar war. Auch hier kämpft sie sich mit ihrem starken Willen und ihrer großen Disziplin durch und schließt im Alter von 17 Jahren die Schneiderlehre erfolgreich ab. Zeitweise arbeitet Margarete in der Damenschneiderei ihrer Schwestern Pauline und Marie mit.

Elefant aus Filz

Der Elefant war als Nadelkissen gedacht – bis Kinder ihn für sich als Spielzeug entdeckten (Elefäntle vor 1892)

Zu ihrem 27. Geburtstag richtet Margaretes Vater ihr ein eigenes Arbeitszimmer, eine kleine Nähstube, im Elternhaus ein. Von ihrem ersten selbstverdienten Geld kauft sie sich eine eigene Nähmaschine. Drei Jahre später, 1877, wagt sie den Schritt in die Selbstständigkeit: Steiff gründet ein Filzkonfektionsgeschäft, in dem sie selbst produzierte Kleidungsstücke und Haushaltsartikel verkauft. Die Waren finden regen Absatz und schon bald kann sie mehrere Näherinnen einstellen.

Das "Elefäntle": vom Nadelkissen zum beliebten Kinderspielzeug

Wort-Bildmarke "Steiff - Knopf im Ohr"

Wort-Bildmarke "Steiff - Knopf im Ohr", Reg.Nr. 30548560

Ende 1879 entdeckt Margarete in einem Modejournal das Schnittmuster für einen kleinen Stoffelefanten. Nach dieser Vorlage näht sie das „Elefäntle“ als Nadelkissen, den ersten Verkaufsschlager der Manufaktur Steiff. In den folgenden Jahren steigt die Nachfrage nach den kleinen Filzelefanten, so dass die Werkstatt bald auch andere Tiere aus Filz wie Pferde, Affen oder Schweine produziert.

Steiff richtet ihren Betrieb nun neu als Spielwarengeschäft aus, das am 3. März 1893 als „Margarete Steiff, Filzspielwarenfabrik Giengen/Brenz“ ins Handelsregister eingetragen wird. Im selben Jahr werden die Spielwaren erstmals auf der Leipziger Spielwarenmesse präsentiert. Steiff beschäftigt nun vier Näherinnen und zehn Heimarbeiterinnen.

Die Sache mit dem Teddy

1897 tritt Richard Steiff, kreativer Lieblingsneffe von Margarete Steiff und Schöpfer zahlreicher Steiff-Kreationen, in die florierende Spielwaren-Fabrik der Tante ein. Er ist es auch, der 1902 den „Bären 55 PB“, den weltweit ersten Plüschbären mit beweglichen Armen und Beinen, entwirft. Margarete Steiff selbst stand dem Erfolgswert des Bären skeptisch gegenüber. 1903 präsentiert das Unternehmen den Stoffbären auf der Leipziger Spielwarenmesse und gegen Ende der Messe kauft ein amerikanischer Händler die gesamte Kollektion (3.000 Exemplare) auf - der Siegeszug des „Teddybären“ in den USA beginnt.

Es gibt aber noch eine abweichende, amerikanische Version der Entstehungsgeschichte des Teddybären. Beide haben gemeinsam, dass der Teddy nach dem Spitznamen des damaligen US-Präsidenten Theodore Roosevelt benannt ist, der gerne auf Bärenjagd ging. Der deutschen Version zufolge soll der Steiff-Bär über verschlungene Pfade bei Roosevelts Tochter gelandet sein, die ihn nach ihrem Papa benannte. Der amerikanischen Version zufolge kursierte ein Bärchen als Symbol für den Präsidenten schon länger in den Medien. Ein findiger russischer Einwanderer habe dann mit Roosevelts Erlaubnis einen Spielzeugbären als „Teddy´s bear“ auf den Markt gebracht.

"Knopf im Ohr" – ein Markenzeichen entsteht

Wortmarke "Steiff", Foto aus dem Warenzeichenblatt von 1907

Wortmarke "Steiff", Foto aus dem Warenzeichenblatt von 1907

Um die eigenen hochwertigen Produkte gegenüber billigen Konkurrenzprodukten abzugrenzen, entwirft Margaretes Neffe Franz Steiff 1904 den "Knopf im Ohr" als Markenzeichen für die Steiff-Waren. Die Marke wird beim Patentamt angemeldet und 1905 eingetragen. Am 27. April 1907 wird schließlich die Wortmarke "Steiff" registriert (DE97027). Im Jahr 1907 produziert das Unternehmen mit 400 Mitarbeitern und 1.800 Heimarbeitern bereits 973.999 Teddybären und insgesamt etwa 1,7 Millionen Spielwaren.

Margarete Steiff stirbt am 9. Mai 1909 in ihrem Heimatort an den Folgen einer Lungenentzündung. Steiffs Neffen führen das Unternehmen weiter. Die Kreationen von Margarete Steiff erlangen über ihren Tod hinaus Weltruhm.

Bild 1: Margarete Steiff GmbH, DPMA, Bild 2 und 3: Margarete Steiff GmbH, Bild 4: DPMA

Stand: 11.03.2026